155 Tage. Das zeigt mein Reisecountdown heute. An normalen Tagen ist das eine seeeehr lange Zeit. Heute fühlt sich das anders an.

Ende August wollen wir 3 Wochen durch die USA reisen. Von unten nach oben und kreuz und quer. Ein Urlaub, der so viel mehr für uns ist, als bloße Erholung. Er ist der Ausdruck von Freiheit und Lebendigkeit, für die wie täglich hart arbeiten. Ich merke, wie ich mich innerlich anfange zu distanzieren. Mir die Vorfreude nicht erlaube, um am Ende nicht noch enttäuschter zu sein. Denn tief in mir drinnen weiß ich: das wird nicht stattfinden. Die Welt ist nicht wieder die alte, wenn fünf Monate rum sind. Und falls doch: sind wir noch die gleichen? Ich glaube nicht.

Bloggen, um die Zeit zu überbrücken. Welche Zeit?

Etwas Merkwürdiges passiert gerade. Letzte Woche habe ich mich spontan zur Quarantexte-Challenge meiner Mastermindfreundin Judith Peters angemeldet. Wir wollen „die Zeit“ nutzen, zu bloggen und uns kundzutun. Da ich das Thema Content ohnehin vor mir herschiebe, kam es gerade recht. Das erste Thema sollte sein „Wie Corona mein Business verändert“. Ich saß da und dachte nach. Nichts. Überall um mich herum brachen Business-Modelle plötzlich zusammen, Menschen standen vor ungeahnten Herausforderungen, Termine wurden abgesagt, Aufträge gecancelt. Nicht so bei mir. Ich hatte sogar gerade zwei Aufträge abgelehnt, weil sie nicht zu mir und meinen Zielen passten. Ich fühlte mich schlecht und ließ die anderen ihre Texte schreiben. Die Mompreneurs, die jetzt wirklich die größten Auswirkungen zu spüren hatten. Die hatten was zu sagen. Ich nicht.

Etwas Sinnvolles beitragen

Diese Woche ist das Thema eine Prognose über oder eine Regnose aus der Zukunft zu schreiben. Und wieder denke ich: was soll ich dazu schon beitragen? Mein Business läuft noch und alles, was ich aktuell im Kopf habe sind #firstworldproblems à la „Hoffentlich können wir bald wieder in den Harz fahren, in Goslar eine Gose trinken oder ein Stück Kuchen essen.“ und „scheiße, ich hab neulich den Friseurtermin geskippt, jetzt wirds seeeehr haarig.“ Ich schäme mich ein bißchen und denke darüber nach, was ich stattdessen Sinnvolles in dieser Misere beitragen kann. Mir fallen tausend Sachen ein. Und dann kann ich mich nicht entscheiden und mache gar nichts. Ich habe ja auch noch zu tun. Einen ganzen Berg sogar. Vielleicht reicht es auch, wenn ich für meine aktuellen Kunden da bin, denke ich mir.

Apropos Zeit

Dann stolpere ich bei Facebook über den Post einer Reiseseite. Es ging nicht mal um den Inhalt, ich fand nur das Logo ausgesprochen gut! Hihi. Es hatte ein kleines Flugzeug. Plötzlich hatte ich das Bedürfnis meine Reisecountdown-App zu checken. Das hatte ich die letzten Wochen bewusst unterlassen, weil mir die große Zahl immer schlimme Sehnsüchte bereitet hat. 155 Tage. Oder in anderen Worten: eine Eeeeewigkeit! Oder auch nicht? Tausend Gedanken stürmten mein Hirn. Wird es bis dahin sicher sein zu reisen? Hieß es nicht, dass es noch lange dauern wird, bis ein Impfstoff entwickelt und flächendeckend am Menschen eingesetzt werden kann? Was bedeutet das denn dann für die Reiseanbieter? Und für die Fluggesellschaften und die Hotelbranche? Und all die wunderbaren AirBnB-Hosts? Innerhalb von Sekunden ist mir deutlich geworden, wie sehr Corona sich doch auf mein Leben auswirkt. Und damit auf mein Business.

Was treibt mich an?

Meine größten Antreiber sind Freiheit und Unabhängigkeit. Dicht gefolgt von Selbstbestimmung, Neugier und Humor. Alles was ich in meinem Leben erarbeitet habe hatte zum Ziel, mich unabhängiger zu machen. Ich will selbst bestimmen können, was ich wann mache. Und wo und wie und überhaupt. Ich will neue Sachen lernen und die Welt entdecken. In meinem letzten Job habe ich mich sehr beharrlich dafür eingesetzt, dass flexibles Arbeit ermöglicht wurde. Against all odds! Ich hatte den unbedingten Willen dafür so viele Extra-Meilen zu gehen, wie es brauchte. Ich habe es geschafft und habe es genossen. Bis ich ein neues Level an Freiheit und Selbstbestimmung brauchte, weil es zur Gewohnheit wurde. Ich wollte niemanden mehr fragen, wann ich Urlaub nehmen darf. Und wie lange. Und obwohl ich ein hohes Bedürfnis an Kontrolle und Sicherheit habe, habe ich zum Jahreswechsel meine monatliche Gehaltszahlung gegen ein Leben in Freiheit getauscht.

Unterwegssein als Lebenselixier

Endlich war es soweit. Mein Neonlife! Endlich niemanden mehr fragen, wenn ich mal raus will. Wenn ich eine Auszeit brauche. Nicht mehr ein- und ausstempeln. Work-Life-Merging. Gemeinsam mit meiner großen Liebe von zuhause arbeiten. Zwischen Kaffeetrinken auf dem Balkon, Wäsche aufhängen und Harzausflügen. Um mir selbst zu zeigen, wie ernst ich mich und mein neues Leben nehme, haben wir am Jahresanfang den größten Urlaub ever geplant. Drei Wochen. Ich war übercommittet, diese Reise möglich zu machen. Viel Geld, das erwirtschaftet werden musste und drei Wochen, die vor- und nachgearbeitet werden müssten. Alles kein Thema, ich mache meine Arbeit gerne. Ich zähle die Stunden nicht, die ich am Computer sitze, weil ich weiß, wofür ich arbeite. Für meine Selbstbestimmung, für meinen Extended Roadtrip durch unsere zukünftige Heimat. What?! Ja. Wir erkunden seit vielen Jahren die USA, um ein Plätzchen zu finden, an dem wir es uns gemütlich machen können, wenn die Green Card ins Haus flattert. Wir wollen nicht mehr jedes Jahr fliegen. Wir wollen dort sein und nachhaltiger reisen. Im Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Im Land of the Free. Unsere Jobs sind mittlerweile so, dass sie uns diesen Traum ermöglichen.

Alles läuft so gut und jetzt kommt THE BIG C und wirft mich aus der Bahn. Auch, wenn ich aktuell zu tun habe: wie lange wird das andauern? Ist meine Leistung nicht die, die immer als erste gekappt wird? Die, von der immer alle glauben, dass sie ein Luxus-Add-on ist? Das wird sich zeigen. Grundsätzlich sind meine Kunden auch online unterwegs und haben auch keine unmittelbaren Ausfälle. Aber alles hängt zusammen. Alles ist miteinander verbunden. Wenn uns THE BIG C eines deutlich gemacht hat, dann dass, wenn in China ein Sack Reis umfällt, es uns in Deutschland jucken sollte. Ich will nicht schwarz malen und mir Ursache-Wirkungsketten konstruieren. Es kommt, wie es kommen wird und wir werden kreative Wege finden damit umzugehen.

Wenn der Treibstoff ausgeht

Das, was mich gerade beschäftigt, ist: was wird mich antreiben, wenn Freiheit, Unabhängigkeit und Selbstbestimmung gerade on hold sind? Wenn Ausfahrten in die Natur und Reisen nicht mehr so ohne Weiteres möglich sind? Wenn unser großer Traum zerplatzt, weil die USA ihre Schotten dicht macht? Wofür arbeite ich dann (so hart)? Wofür mache ich mir dann die Mühe selbstständig zu sein? Das klingt dramatisch. Natürlich mag ich was ich tue, gerne sogar. Aber es würde schon was mit mir machen.

Was so egoistisch klingt, ist es gar nicht. Jeder Mensch hat ureigene Lebensmotive und Bedürfnisse. Antreiber. Diese lassen sie oft Unmögliches möglich machen und über sich hinauswachsen. Das kann auch Familie sein oder Ruhe oder Ordnung oder Status oder Idealismus. Kann ich das nicht mehr erfüllen, werde ich antriebslos. Ich kann dann meine Stärken und Talente nicht mehr in dem Maße abrufen, wie ich sie anderen zu Gute kommen lassen sollte (deine Gaben sind auch deine Aufgaben, Karen!). Und hier bin ich wieder dabei, dass alles verbunden ist und eine kleine Ursache oft große Wirkungen nach sich zieht. Was, wenn ich nicht mehr so voller Power bin, wie bisher? Das ist es, was meine Kunden an mir schätzen: meine Energie!

Der universelle Juice: das H-Wort

Auch, wenn sich das hier liest, als würde ich den Kopf in den Sand stecken. Auf keinen Fall! Ich bin ein grundpositiver Mensch und kann gar nicht anders, als in jeder Sche*ße den Kakao zu schmecken. Ich sehe, was sich alles tut und was in unserer Gesellschaft gerade Neues entsteht. Und vor allem auch, wie sehr unsere Natur aufatmet – ist das nicht irre? Ist das nicht ein krasses Zeichen, dass es doch geht? Dass sogar in 2-3 Wochen ein so enormer Turnaround möglich ist? Das alleine gibt mir richtig Hoffnung und Power. Das wunderbare Frühlingswetter tut sein Übriges. Hach, das blaue Band, gell? Wunderbar.

Selbst, wenn wir in 155 Tagen nicht den Flieger nach Atlanta besteigen: es wird weitergehen. Als erstes werden wir wieder in den Harz gondeln können, dann werden wir wieder ein Gose trinken und ein Stück Kuchen essen. Und vielleicht fliegen wir dann nächstes Jahr sogar sechs Wochen über den großen Teich. Oder gewinnen direkt die Green Card? Uahhhh! Alles ist möglich, solange niemand das Gegenteil beweisen kann, stimmt’s? Ich bin ziemlich pumped. Und ich bin es denen schuldig, die es nicht sind. Mir geht es gut. Ich atme, ich hab ein Dach über dem Kopf, ich hab Klopapier im Haus und alle Zutaten für Kekse. Ich social distance mich ohnehin immer und liebe es, zuhause zu sein. Also, let’s get it on! Wer auch immer gerade meine Hilfe braucht: mail mir.

Deine
Lena

PS: Sharing is caring! Wenn du auch das Gefühl hast, dass du mal lieber den Ball flach halten solltest: es darf dir gut gehen! Nutz deine Lage, um für andere da zu sein. Ich habe ein Wallpaper erstellt, das du dir gratis runterladen kannst: When they go low, we go high! (Michelle Obama)

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